Bonn - Familie Wagner (Namen geändert) unter Schock. Nur weil Sohnemann Tom (14) mal einen Tag schulfrei haben wollte, flatterte ihnen jetzt eine Rechnung über 10.400 Euro ins Haus. Denn Tom hatte eine Amokdrohung an die Tafel seiner Bonner Schule gekritzelt - und damit einen kostspieligen Polizeieinsatz ausgelöst.
Tom ist kein Einzelfall. Seit dem Amoklauf in Winnenden haben in Bonn sogenannte Trittbrettfahrer traurige Hochkonjunktur. Die Polizei verzeichnete zehn Amokdrohungen in nur vier Wochen! Acht- mal konnten die Täter schnell ermittelt werden.
„Die Bonner Fälle wurden in der Regel öffentlich angekündigt und zielten darauf, schulfrei zu bekommen“, erklärt Polizeipräsident Wolfgang Albers. Ein Schüler kündigte die Tat sogar im Religionsunterricht an. Albers: „Es muss klar sein: Das ist kein Scherz!“
Die Täter kommen aus allen Schulformen, allen Schichten. Oberstaatsanwalt Fred Apostel: „Man muss ihnen vor Augen führen, was sie angerichtet haben.“
Denn da kommt einiges zusammen. Kosten für Polizeieinsatz, Maßnahmen der Schule, Gerichtsverfahren. Polizeidirektor Gerd Baltes: „Wir überlegen nicht lange, ob eine Drohung ernst zu nehmen ist oder nicht - es läuft das volle Programm ab.“ Beamte fahren zur Schule, zeigen Präsenz. Parallel laufen Ermittlungen.
Ein Beamter kostet dabei 52 Euro die Stunde. Dazu eine Kilometerpauschale von 52 Cent für den Funkstreifenwagen. Im Toms Fall kamen so Kosten von 10.400 Euro zusammen. In einem anderen Fall strichen die Eltern ihrem Sohn den Ski-Urlaub - weil sie wissen, dass ihnen in Kürze eine deftige Rechnung ins Haus flattern wird.
Bis zu 100.000 Euro können von der Polizei eingefordert werden. Dabei bleibt es aber nicht. „Vom schriftlichen Verweis über Unterrichtsausschluss bis zur Entlassung ist alles möglich“, erklärt Schulamtsleiter Hubert Zelmanski.
Parallel laufen Ermittlungen der Jus-tiz. Bei der Staatsanwaltschaft kümmert sich jetzt eine Dezernentin speziell um diese Fälle. Die Strafe für Trittbrettfahrer sind in der Regel Sozialstunden.
Die acht ermittelten Bonner Täter sind alle unter 17, sieben Jungs, ein Mädchen. Oft Loser, die einmal groß rauskommen wollen. Was sich schnell ins Gegenteil wendet, wenn die Täter von Polizisten vor den Augen ihrer Mitschüler aus der Klasse abgeführt werden.
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