Der Meckenheimer Online-Shop German Office: Chef Michael K. (39) überraschte mit Preis-Knüllern. Jetzt steht er wegen Betruges vor Gericht: Sein Erfolg war nur eine miese Abzocke.
Bei Preissuchmaschinen wie billig.de tauchte German Office im Internet immer an erster Stelle als günstigster Anbieter auf. Der Online-Shop blühte zusehens: sieben Angestellte, 21 Millionen Euro Umsatz allein im Jahr 2008. K: „Ich wollte der Billigste sein.“
Doch das Geschäftsmodell beruhte auf Abzocke. Den Kunden stellte German Office für bestellte Kameras, iPods und Spielkonsolen Umsatzsteuer in Rechnung – die der vielfach einschlägig vorbestrafte Michael K. (brummte schon in Straubing sechseinhalb Jahre wegen Betruges) allerdings nicht an den Fiskus abführte. 7,7 Millionen Euro wollte das Finanzamt plötzlich von ihm.
Denn der Steuerfahndung waren die vielen Postsendungen einer Pariser Firma an German Office spanisch vorgekommen. Das böse Erwachen im Oktober 2009 nach einer Durchsuchung der Geschäftsräume von German Office: Michael K. hatte keine Buchführung und kaum Steuern gezahlt. Wichtigste Maschine im Büro war ein Schredder zur Aktenvernichtung.
1,1 Millionen Euro stotterte Michael K. dann ans Finanzamt ab. Das konnte er nur, weil er fortan seine Kunden betrog. 2000 Besteller leisteten in nur drei Monaten Vorkasse, ohne Ware zu bekommen. 600 erstatteten Anzeige. Schaden: 730 000 Euro. In Internetforen häuften sich Beschwerden. „RoNoldo“ schrieb: „Ein Wolf im Schafspelz bleibt ein Wolf.“
Michael K. drohen nun trotz Geständnis erneut mehrere Jahre Gefängnis. Die Kammer will Freitag das Urteil sprechen.
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