Empfehlen | Drucken | Kontakt29.11.2011 - 11:08 Uhr

111. Geburtstag: Immer noch so frech wie Schnüsse Tring

Seit 1982 erinnert der Brunnen an der Dreifaltigkeitskirche an die freche Köchin.
Seit 1982 erinnert der Brunnen an der Dreifaltigkeitskirche an die freche Köchin.

Als Joseph Roesberg im Jahr 1859 ein Lied über das Dienstmädchen seiner Schwester schrieb, hat er wohl kaum geglaubt, dass mehr als 150 Jahre später diese „Schnüsse Tring“ immer noch in aller Munde ist. Dank der gleichnamigen KG, die in diesem Jahr ihren 111. Geburtstag feiert.

Katharina „Tring“ Mund (Jahrgang 1832) hatte bei ihrer Mutter kochen gelernt und begann mit 21 Jahren, in anderen Haushalten zu arbeiten. Weil sie aber nur kochen und nicht auch gleichzeitig Dienstmagd und Kindermädchen sein wollte, machte sie das bei ihren Arbeitgebern von Anfang an klar. Ungewöhnlich für das 19. Jahrhundert! Das passte den Arbeitgebern aber meist nicht, und so musste sie häufig die Stelle wechseln – bis sie bei Katharina van Hees landete, der Schwester von Joseph Roesberg. Der übertreibt in seinem Lied natürlich ein wenig bei ihren Forderungen, aber Tring muss schon eine ziemlich freche Schnüss gehabt haben. Als im Januar 1901 sich 14 Herren zusammentaten, um eine Karnevalsgesellschaft zu gründen, stand der Name ziemlich schnell fest: KG Schnüsse Tring.

Liane Hess ist in dieser Session die „Schnüsse Tring“. Ab jetzt soll das jedes Jahr eine andere Frau machen.
Liane Hess ist in dieser Session die „Schnüsse Tring“. Ab jetzt soll das jedes Jahr eine andere Frau machen.

Und die ließen nichts anbrennen: Schon am Sonntag nach der Gründung fand der erste Maskenball statt. Für die Namensgeberin hat sich die KG auch weiterhin eingesetzt: 1982 entstand der Brunnen als Denkmal, und der Platz wurde Joseph-Roesberg- Platz getauft. Im 111. Jahr hat die KG jetzt eine alte Tradition wiederbelebt: Mit Liane Hess (58) gibt es zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder eine „richtige“ Schnüsse Tring.

Und als selbstständige Floristin ist sie natürlich ebenso selbstbewusst wie ihr historisches Vorbild und freut sich auf ihre neue Aufgabe: „Es ist doch toll, dass so eine alte KG, die vor allem durch ihre Tanzgruppen wie die Kammerkätzchen und Kammerdiener bekannt ist, mal wieder mehr ins Gespräch kommt!“

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