Empfehlen | Drucken | Kontakt28.10.2009 - 15:33 Uhr

Erinnerungen: Alter schützt vorm Dichten nicht

Nikolaus Franz
Nikolaus Franz
Foto: Patric Fouad

Stolz zeigt Nikolaus Franz (Foto) seinen neuen Gedichtband, schmunzelt: „Das sind meine 90 Lenze in Gedichten!“ Vor fünf Monaten zog Franz in das Refrather St. Josefshaus. „Das war schwer für mich. Ich habe viele Kunstsammlungen gehabt, die ich nicht mitnehmen konnte. Jetzt bin ich hier, dabei bin ich gar nicht krank, sondern nur alt“, erklärt der 90-Jährige. Den Umzug hat Franz in Gedichten verarbeitet. „Ich schreibe über alles: Philosophie, Erinnerungen, Wortspiele. Mir fällt ein Stichwort ein und dann kommt der Rest von ganz alleine.“ Manchmal steht der alte Poet bis zu zehn Mal in der Nacht auf: „Ich habe ein kleines Büchlein am Bett, wo ich meine Ideen sofort aufschreiben kann.“

Seitdem er 22 Jahre alt ist, schreibt Nikolaus Franz. Der Anlass war traurig: „Ich war Soldat und habe im Krieg viel Schreckliches gesehen. Das musste ich irgendwie verarbeiten.“ Und weiter: „Noch heute kann ich fast den ganzen Faust auswendig. Im Gefangenenlager konnte ich mir damit damals Essensrationen verdienen.“

Seine Gedichte tippt Franz auf der Schreibmaschine. „Blind mit zehn Fingern“, lacht er. „Einen Computer hatte ich auch mal. Vielleicht hole ich mir wieder einen, um Briefe zu schreiben.“ Sein aktueller Gedichtband „War was?“ ist nicht das erste Werk des 90-Jährigen. Bereits 1964 hatte er seinen ersten Gedichtband veröffentlicht. „Aber meine Frau hat mir davon abgeraten. Sie wollte mir Enttäuschungen ersparen.“ Der Gedichtband ist im St. Josefshaus in Refrath erhältlich: www.stjosefshaus.org

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