Es wird ein rundes Jubiläum, das Uli Hoeneß in diesem Jahr feiern wird.
Fast so rund wie ich ist diese Zahl und sie ist einzigartig in der deutschen Fußballgeschichte: Wenn der FC Bayern München – und wer zweifelt ernsthaft daran? – in dieser Saison Deutscher Meister oder DFB-Pokalsieger wird oder sogar die Champions League gewinnt, dann wäre der erste der drei möglichen Titel die Nummer 50, an der Uli in irgendeiner Form beteiligt ist!
Wahnsinn! Er ist der Mann, vor dem ich meinen Hut ganz tief ziehe. Und kein Bauch hindert mich an der ganz tiefen Verbeugung. Weltmeister, Europameister, Champions-League-Sieger, Weltpokalsieger, Deutscher Meister, Pokalsieger – diese Titel errang Uli Hoeneß.
Nicht als Mitläufer, als Hauptdarsteller. Als Wirbelwind, Flankengeber, Torschütze, als Leistungsträger im Profifußball und als Vereins-Patron des deutschen Rekordmeisters. Mit gerade erst 27 Jahren wurde er Manager des FC Bayern. Und er sorgte dafür, dass weiter gewonnen wurde.
Uli baute zusammen mit Franz Beckenbauer, Karl-Heinz Rummenigge und Karl Hopfner ein Bayern-Imperium, das trotz großer sportlicher und wirtschaftlicher Erfolge immer ein Familienbetrieb mit Herz, sozialer Verantwortung und menschlicher Qualität geblieben ist.
Kein noch so großer Erfolg veränderte den Menschen Uli Hoeneß. Der blieb immer wie er war: ein intelligenter Gesprächspartner, temperamentvoll, jederzeit bereit, zu streiten und sich wieder zu versöhnen.
Ein Mensch wie aus dem Bilderbuch. Bayerisch, barock, gleichzeitig listig und fair, nie link, immer offen – einer, der die Kultur des deutschen Fußballs entscheidend und nachhaltig prägte.
60 Jahre alt wird er nun. Und ich hoffe, er verschwendet keinen Gedanken daran, sich in sein herrliches Anwesen am Tegernsee zurückzuziehen. Verstehen könnte ich es. Wer einmal das Vergnügen hatte, von Uli und seiner Susi eingeladen worden zu sein, der weiß, was ich meine. Perfektere, aufmerksamere, liebevollere Gastgeber gibt’s nicht.
...seinen 60. Geburtstag: „Ich muss nicht nach Hawaii oder auf die Malediven. Wenn ich irgendwann mal Lust dazu habe, werde ich das machen. Aber das ist nicht mein Lebenstraum.“
... die Herbstmeisterschaft 2011: „Wenn du immer Zweiter, Dritter, Vierter mit zehn Punkten Abstand bist, macht dich das krank, und da hast du keine schönen Wochenenden. Jetzt mit so einem schönen Weihnachtsergebnis gewinnt man zwei Monate Lebensqualität.“
... Louis van Gaal: „Mit van Gaal haben wir das Double geholt und standen im Champions-League-Finale. Dass der menschlich eine Katastrophe war, steht auf einem anderen Blatt. Fachlich war er top.“
... Jürgen Klinsmann: „Da haben wir für zigtausend Euro Computer gekauft. Da hat er den Profis in epischer Breite gezeigt, wie wir spielen wollen. Wohlgemerkt wollen. Jupp Heynckes hat einen Flipchart und fünf Eddingstifte. Da kostet einer 2,50 Euro. Und da malt er auf die Tafel die Aufstellung des Gegners und sagt ein paar Takte dazu. Mit Heynckes gewinnen wir Spiele für 12,50 Euro, und bei Klinsmann haben wir viel Geld ausgegeben und wenig Erfolg gehabt.“
... sein Engagement für den FC Bayern: „Ein Uli Hoeneß lässt den FC Bayern nie im Stich. Und wenn irgendein Problem entsteht, würde ich zur Not hier sogar ein halbes Jahr den Platzwart machen.“ „Früher habe ich 80 Prozent meiner Arbeitszeit mit den Spielern verbracht. Heute verwende ich 80 Prozent darauf, das Geld einzutreiben, um sie finanzieren zu können.“
... Karl-Heinz Rummenigge: „Der FC Bayern ist natürlich total modern. Karl-Heinz Rummenigge hockt den ganzen Tag vorm Computer und hat eckige Augen.“
... eine Hoeneß-Biographie: „Eine Biografie? Von mir? Nein. Never ever! Wenn ich die Wahrheit über das, was ich alles erlebt habe, schreiben würde, müsste man etwa zehn Bände machen - und ich müsste nach der Veröffentlichung nach Australien auswandern.“
... Real Madrids Bemühungen um Franck Ribery: „Nächstes Jahr kommt eher der Gerichtsvollzieher nach Madrid als Franck Ribery.“
... das Meisterrennen 2007, als Bremen den Bayern nahe kam: „Die sollen ruhig oben stehen bis Weihnachten. Aber der Nikolaus war noch nie ein Osterhase. Am Ende wird der FC Bayern wie immer oben stehen.“
... die eigenen Bayern-Fans 2007: „Das ist eine populistische Scheiße. Es kann doch nicht sein, dass wir kritisiert werden, die wir uns hier jahrelang den Arsch aufreißen. Was glaubt ihr, wer euch finanziert? Die Leute aus den Logen, denen wir das Geld aus der Tasche ziehen. Die Scheißstimmung, für die seid ihr doch zuständig und nicht wir.“
... Lukas Podolski: „Wenn einer zwei Tore gegen Liechtenstein schießt, dann hat das nichts zu heißen. Da würde auch unsere Drittliga-Mannschaft gut aussehen.“
... David Beckham: „Es nützt dir nichts, einen zu holen, der immer bei Bravo Sport auf der Seite eins steht. Wir wollen einen haben, der beim Kicker auf Seite eins steht.“
... Bastian Schweinsteiger nach der WM 2006: „Dem wurde zu viel Puderzucker in den Hintern geblasen. Immer soll die Sonne scheinen. Aber in Zukunft regnet es auch mal, wenn die Leistung nicht stimmt.“
... Christoph Daum: „Er ist ein Selbstdarsteller mit außergewöhnlichem Hang zum Größenwahn. Daran hat sich nichts geändert.“
„Der kann noch 100 Jahre spielen, der wird uns nie überholen.“
„Wenn Daum nicht so bescheuert gewesen wäre, eine Haarprobe abzugeben, hätte ich das Spiel nie gewinnen können.“
... Lothar Matthäus: „Solange Karl-Heinz Rummenigge und ich etwas beim FC Bayern zu sagen haben, wird der bei diesem Verein nicht mal Greenkeeper im neuen Stadion.“
„Wenn Matthäus Bundestrainer geworden wäre, das wäre, wie wenn der Chefspion des KGB Bundeskanzler geworden wäre.“
... Franz „Bulle“ Roth: „Ich habe mir früher im Training Schienbeinschützer angezogen, weil ich wusste: Wenn der “Bulle„ Roth sauer auf mich ist, dann fegt der mich auf die Aschenbahn. Das Training war für mich Überlebenskampf.“
... den Wunschgegner für das Champions-League-Finale 2001: „For me it's scheißegal.“
... über die Frauen-Fußball-WM: „Ich dachte, wir reden über Fußball.“
... Dortmund-Aktien: „Ich habe 5000 davon. Meine Frau hat sie gekauft. Ich wollte einfach mal schauen: Wie funktioniert so eine Aktie eines Fußball-Vereins? Bis jetzt habe ich viel Geld damit verloren.“
... 1860 München: „Wenn uns der TSV 1860, aus welchen Gründen auch immer, bitten sollte, aus dem jetzigen Vertrag auszusteigen, dann werde ich die Kapelle, die die Sechziger aus dem Stadion begleitet, persönlich mit dem Defiliermarsch anführen.“
... Trainerentlassungen: „Wenn einer 100 Millionen verdient, dann ist er trotzdem noch ein Mensch. Und wenn er kein Arschloch ist, dann geht ihm das nahe, wenn er seine Arbeit nicht mehr weitermachen darf.“
... die Gegner der Nationalmannschaft: „Wenn man gegen Liechtenstein spielt, kann man auch gegen den FC Tegernsee spielen.“
... Hannover und 50+1: „Auch wir sind für die Abschaffung dieser Regel, auch wenn wir sie nie anwenden wollen. Ohne Hannover zu nahe treten zu wollen, aber die Marke wird mit einem Investor auch nicht besser.“
... feiernde Profis: „Die müssen sich doch mal den Frust von der Seele saufen. Wir haben doch früher auch auf dem Oktoberfest die Maßen reingelassen.“
... über den UEFA-Cup: „Als Schalke den UEFA-Cup gewonnen hat, wollten sie dort den Notstand ausrufen. Wenn Werder im Halbfinale spielt, flippen alle aus und tragen grün-weiße Unterwäsche - aber wenn Bayern da spielt, ist es plötzlich der Verlierer-Cup.“
Doch der Jubilar wird gebraucht: als Mahner, als Visionär, als Vorbild. Uli tut so unglaublich viel Gutes, und er tut einfach gut – dem Fußball, ehemaligen Kollegen, denen es nicht so gut geht und denen er ohne große Worte ebenso hilft wie vielen sozialen Projekten.
60 Jahre und kein bisschen leise! So wünsche ich mir meinen Freund Uli. Er wird mir den Wunsch nicht abschlagen.
Das Einzige, was mich stört: Wenn er am 13. Januar im Kreise seiner Freunde feiert, bin ich knapp 10.000 Kilometer entfernt bei einer Ayurveda-Kur. Aber eines verspreche ich Dir, lieber Uli: Das holen wir nach. Auch wenn Deine Wurstfabrik eine Sonderschicht fahren muss!
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