Gestern hatte René Adler keine Lust mehr irgendetwas zu sagen. Kapuze und Scheuklappen auf, kein Blick nach links und rechts - und ruckzuck ging er nach dem Training in die Kabine.
„Die Sache ist doch längst vorbei“, sprang Sami Hyypiä, der „heimliche Kapitän“ der Bayer-Elf, dem Nationaltorhüter zur Seite. Man hatte sofort den Eindruck: Die Bayer-Profis sind genervt, dass Fußball-Deutschland wohl mehr über den erneuten Fehler von Adler spricht, als über die tolle Leistung der Werkself beim 4:2 über die Startruppe des HSV.
Doch totschweigen kann man die Adler-Patzer nicht. Das Gegentor zum 1:1 ging auf seine Kappe, das gab der 25-Jährige nach Spielende bei Sky zu. „Das sieht blöd aus. Ich rufe zwar, aber, Sami hört es vielleicht nicht“, sagte Adler und sprach davon, dass das Team „mich momentan - ich will nicht sagen - durchschleppt.“ Selbstkritik ist löblich, schwere Patzer in Serie nicht. Ob in Bremen, im Länderspiel gegen Argentinien, in Nürnberg oder gegen Hamburg: Die Fehler häufen sich.
Warum ist Klasse-Keeper Adler derzeit so durch den Wind? Ist es die Anspannung als neue Nummer Eins beim DFB, spürt er den Druck der starken Konkurrenten, die wie Manuel Neuer sogar von DFB-Sportdirektor Matthias Sammer protegiert werden: „Manuel Neuer ist für mich der Torhüter der Zukunft, wann immer die kommt. Er ist einfach stark“, so Sammer jetzt.
Franz Beckenbauer fand für Adler harsche Worte (EXPRESS berichtete): „Seit René weiß, dass er die Nummer eins in der Nationalelf ist, macht er einen Fehler nach dem anderen. Vor allen Dingen macht er Fehler, wenn er die in einer Schülermannschaft machen würde, würde man sagen: „Such' dir eine andere Sportart!“ Also für einen Nationaltorwart war es in der Häufigkeit zuletzt schon sehr viel.
Das Kaiser-Grollen, das Adlers Vereinstrainer Jupp Heynckes kalt lässt: „Der Franz bringt seit 30 Jahren den gleichen Spruch! So musst du das aufnehmen.“ Bayer-Boss Wolfgang Holzhäuser: „Es tut mir leid für René, was auf ihn nun einstürzt. Er hat eine schwächere Phase. Aber wir kennen ja alle den Franz, der meint das nicht ganz so. René bekam zuvor immer Lob für seine Risikobereitschaft, und jetzt soll das falsch sein? Nein!“ sagte Holzhäuser und legte sich fest: „Ich mache mir keine Sorgen um ihn, er meistert das. Selbstverständlich ist René bei der WM die Nummer Eins.“
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