Am Dienstag saß Bernd Schneider zwischen seinen Fans. Der 36-Jährige unterschrieb Autogramme, er verteilte Tickets für sein Abschiedsspiel (10. Mai, BayArena), und immer wieder lächelte er.
Der vielleicht „charakterstärkste Profi, den ich je erlebt habe“ (Sportchef Rudi Völler) zeigte noch einmal eindrucksvoll, welch ein Vollblutprofi der Bundesliga verlorengegangen ist.
Manchmal verliert aber auch der Gutmensch Schneider, der wegen einer Rückenverletzung seine Karriere beenden musste, die Fassung. Zum Beispiel, wenn die Rede auf Hamburgs Trainer Bruno Labbadia kommt, der Ende letzter Saison Bayer verließ.
Labbadia hatte sich mit der Mannschaft überworfen, das Verhältnis war sogar so zerrüttet, dass einige Profis mit dem Weggang drohten, sollte Labbadia weiter im Amt bleiben. Auch Schneider dachte daran. „Ich hätte es aber nicht gemacht, weil mein Herz für den Fußball so groß ist.“
Aber noch heute hat er die Ära Labbadia nicht vergessen. „Das Verhältnis war kaputt, mit ihm hätte es nicht weitergehen können“, sagt der 81-fache Nationalspieler. Labbadia habe sich immer mehr von der Mannschaft entfernt, die Stimmung sei am Tiefpunkt gewesen. Das verlorene Pokalfinale gegen Bremen (0:1) sei der negative Höhepunkt gewesen.
Schneider kann diese Momente nicht vergessen. Er hätte mit dem Ex-Coach gerne darüber geredet. Aber der heutige HSV-Trainer hat sich nicht bei der Mannschaft und auch nicht bei ihm verabschiedet. „Er muss noch einiges lernen“, sagt Schneider heute und belässt es damit. „Ich ziehe jetzt einen Schlussstrich unter diese Kapitel. Irgendwann muss Schluss sein.“
Und deshalb hat Labbadia sogar eine Einladung Schneiders erhalten. „Alle meine ehemaligen Trainer sollen kommen, Labbadia gehört auch dazu“, sagt der Vizeweltmeister, der am Sonntag gegen den HSV seinen Kollegen die Daumen drückt. „Wenn die Jungs Gas geben, gewinnen sie und die Champions-League-Quali ist ganz nahe.“
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