Was war das denn jetzt? Zwei verlorene Punkte oder ein Unentschieden, mit dem Bayer leben konnte?
Im Leverkusener Lager war man sich nach dem 1:1 beim VfL Bochum nicht recht einig. „Wir können doch nicht jedes Spiel gewinnen“, sagte Sportchef Rudi Völler und gab anschließend kostenlos Nachhilfeunterricht in Sachen Meisterkampf.
„Natürlich sind die Bayern haushoher Favorit auf die Schale. Sie haben lauter Weltklassespieler, die Mannschaft gehört zu den besten vier Klubs in Europa. Sie sind nun einmal das Maß aller Dinge.“
Es gab aber auch einen Spieler, der gar nicht zufrieden war. Der hieß Manuel Friedrich, Bayers Abwehrchef. Der Kapitän hätte gerne gewonnen, er würde heute gerne weiterhin zwei Punkte vor den Bayern stehen. Und so schnaubte er erst einmal durch, um das anzusprechen, was weh tat.
Zurecht regte er sich darüber auf, dass seine Vorderleute im Rausch des Toreschießens die Defensivarbeit vergaßen. Und so nicht nur nach einem Konter den Ausgleich kassierten, sondern in Minute 90, wieder nach einem Konter, beinahe auch den Todesstoß erhalten hätten.
„Wir haben nicht schnell genug von Offensive auf Defensive umgestellt“, begann seine schonungslose Aufarbeitung. Und das sei ärgerlich und eine Sache der Einstellung. Denn: „Anders herum geht es ja schneller, weil jeder Spieler von uns ja gerne ein Tor schießen will.“ Kostet der Torerausch Bayer den Titel? Sind die Bayen abgezockter als die jungen Bayer-Boys?
„Mir schlottern die Knie“, entgegnete Friedrich süffisant, „sehen Sie: Ich kann nicht mehr stehen.“ Dann marschierte der Abwehrspieler aufrecht in die Kabine.
Tatsächlich kann Bayer die Münchner Aufholjagd ganz gelassen beobachten. „Wir haben noch kein Spiel verloren, die Mannschaft ist gefestigt und wird auch mit Rückschlägen zurechtkommen“, erklärte Völler, „wir sind sehr zufrieden mit dem, was wir bislang geleistet haben.“
Das gilt besonders auch für den Torschützen Eren Derdiyok. Der Schweizer, 3,8 Millionen € teuer, hat mit jetzt neun Treffern seinen Marktwert bereits verdoppelt.
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