Es gibt eine berühmte Volksweise, die man auch auf Leverkusen ummünzen könnte:
„Im Märzen der Bauer die Rösslein anspannt. Im Märzen der Bayer von der Spitze verbannt...“
Es ist noch gar nichts passiert“, wollte Trainer Jupp Heynckes nach dem 2:3 in Nürnberg, der ersten Saisonniederlage und dem Sturz auf Platz drei, gestern sofort jede negative Diskussion im Keim ersticken. Recht hat er – und auch wieder nicht.
Fakt ist: Leverkusen hat drei Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Bayern, einen auf Schalke und (vermeintlich) beruhigende sieben Zähler Vorsprung auf den Vierten Hamburg, der auf dem ersten Nicht-Champions-League-Platz steht. Sowohl der HSV am Sonntag, als auch Schalke und Bayern kommen noch in die BayArena. Also: kein Grund zur Panik?
Das Momentum spricht derzeit aber gegen Bayer. Die Form ist schlechter geworden, die so beeindruckende Leichtigkeit weg. Und das Gefühl verfestigt sich: Wieder könnte Bayer in der entscheidenden Phase abstürzen. Zu frisch sind noch die Erinnerungen aus den Vorjahren, als Bayer genau dies widerfuhr. Der Pillen-Knick.
„Das Spiel gegen den HSV ist jetzt das wichtigste der Saison“, sagt Verteidiger Gonzalo Castro, „wir müssen es gewinnen, um nicht Gefahr zu laufen, wieder durchgereicht zu werden.“ Ein Sieg gegen Hamburg – und der Abstand würde zehn Punkte betragen, und Bayer wäre noch im Titelrennen. Bei einer Pleite wäre dagegen erneut das große Zittern auf der Zielgeraden angesagt.
Das weiß Heynckes, der genau dieses Szenario von seinem jungen Team fernhalten muss. Deshalb sagt der 64-Jährige: „Das ganze Gerede interessiert mich nicht! Wir werden weiter konzentriert und hart arbeiten, dann kommen die Ergebnisse wieder.“
Schon die nächsten drei Spiele (Hamburg, in Dortmund, gegen Schalke) könnten alles entscheiden. Heynckes: „Das sind große Aufgaben. Wir wollen unsere bisher überragende Saison erfolgreich zu Ende bringen. Aber dafür muss die Mannschaft ein anderes Gesicht zeigen.“ Und darf nicht die große Flatter bekommen. Bayers Reifeprüfung hat begonnen.
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