Empfehlen | Drucken | Kontakt19.02.2012 - 19:01 Uhr

Wieder Kritik gegen Dutt: Die unerhörten Bayer-Fans

Von LARS WERNER
Hat einen ganz schweren Stand bei den Fans: Trainer Robin Dutt.
Hat einen ganz schweren Stand bei den Fans: Trainer Robin Dutt.
Foto: Getty
Leverkusen –  

Vor rund zwei Wochen haderte Robin Dutt mit der seiner Meinung nach oft zu feindseligen Stimmung in den Bundesliga-Stadien. „Es muss mehr Karneval in die Stadien“, sagte der in Köln lebende Bayer-Trainer im Interview.

Zwar waren am Samstag, beim 4:1 gegen Augsburg, auch etliche Zuschauer bunt kostümiert. Doch Karnevals-Atmosphäre hatte sich Dutt wohl ganz anders vorgestellt.

Erst wurde in der Nordkurve nach dem zwischenzeitlichen 1:1 ein Transparent gegen ihn mit der Aufforderung zum Rücktritt entrollt, dann beleidigten ihn „Tiger“, „Kühe“ oder sogar „Pfarrer“ mit Worten unter der Gürtellinie.

„Ohne Trainer wär'n wir auf Platz zwei“ oder „Holzhäuser raus“ wurde zudem skandiert oder nach dem verletzt fehlenden Ex-Capitano Michael Ballack gerufen.

Dass Bayer seinen 300. Heimsieg in der Bundesliga-Geschichte einfuhr und endlich teilweise auch mal wieder fußballerisch überzeugen konnte, geriet nach dem Abpfiff so eher in der Hintergrund.

Zwar festigte Bayer seinen Europapokal-Platz, doch der Abstand auf Rang vier beträgt noch immer stattliche zehn Punkte. Das ist wohl nicht mehr aufzuholen - das ausgegebene Saisonziel wäre klar verpasst.

Dazu enttäuschte die Werkself in vielen Spielen fußballerisch gänzlich. Konsequenz: Nur 23 368 Zuschauer wollten sich den Kick gegen Augsburg angucken.

Das Gebilde Bayer 2011/12 ist weiter fragil. Die Stimmung bei Fans und im Umfeld ist total angespannt. Die Vereinsführung, die mittlerweile auch genau beäugt wird, muss sich grundsätzliche Fragen stellen: Warum laufen Bayer erstmals im neuen Stadion die Fans weg? Ist das beschädigte Verhältnis Trainer – Fans überhaupt noch zu kitten? Und wenn doch, wie?

Trainer Dutt kann derzeit machen, was er will. Sogar wenn Bayer gewinnt und er richtige Personalentscheidungen trifft, wird er angefeindet. Klubchef Holzhäuser sah das wichtige Spiel übrigens nicht im Stadion, er war im Urlaub in Holland.

Als einziger Verantwortlicher im Verein äußerte sich am Sonntag Rudi Völler im Sport1-Doppelpass öffentlich. Und das in bester Diplomaten-Manier.

„Wir hatten in den vergangenen Wochen natürlich einige nicht so attraktive Spiele, von daher kann ich persönlich die Fans sehr gut verstehen. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass wir es schaffen, die Gunst der Zuschauer wieder zurückzuerobern. Allerdings wird das Zeit benötigen. Augsburg war da der Anfang.“

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