Empfehlen | Drucken | Kontakt27.01.2012 - 09:39 Uhr

Kommt jetzt der große Knall?: Bayer nimmt Ballack unter Feuer

Von THOMAS GASSMANN, ALEXANDER HAUBRICHS und LARS WERNER
Michael Ballack
Michael Ballack
Foto: Bongarts/Getty Images
Leverkusen –  

Da droht Explosionsgefahr: Beim so wichtigen Auswärtsspiel am Freitag in Bremen fliegt Michael Ballack (35) aus der Startelf. Bayers Star wird nach zuletzt mäßigen Leistungen nur ein Platz auf der Bank bleiben.

Das mag sportliche Gründe haben. Aber es ist auch Ballacks Verhalten außerhalb des Platzes, mit dem die Bayer-Verantwortlichen nicht mehr zufrieden sind und hadern. Vor allem in den vergangenen zwei Wochen schaukelte sich da einiges hoch. Der Höhepunkt folgte am Mittwoch: Da musste der Ex-DFB-Kapitän bei Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser und Sportchef Rudi Völler antanzen.

Die Bosse redeten dem 35-Jährigen ins Gewissen – und wollten, dass er sich öffentlich über Trainer Robin Dutt und den Klub äußert. Ballack blieb stur, verweigerte den Plan. Daraufhin platzte Holzhäuser der Kragen. Er entschied sich, die Kritik im EXPRESS öffentlich zu machen (siehe Interview).

Klubchef Wolfgang Holzhäuser spricht Klartext
Herr Holzhäuser, wie bewerten Sie die Grundstimmung bei Bayer?

Nach dem guten Trainingslager war sie eigentlich positiv-optimistisch. Aber das Mainz-Spiel tut uns immer noch weh. Die Mannschaft hat gewonnen, ist aber von einigen Zuschauern beschimpft worden. Vor allem für die jüngeren Spieler ist das nicht nachvollziehbar. Jeder hat das Recht, Emotionen zu zeigen. Aber man muss auch überlegen, welche Wirkung die haben. Und die Wirkung war nicht gut. Ich appelliere an alle Zuschauer, objektiv zu bleiben. Aber: Unsere Mannschaft hat auch ganz klar eine Bringschuld gegenüber den Fans und dem Klub. Und da gibt es erfahrene Spieler, die haben die größere Bringschuld.

Wen meinen Sie damit?

Zum Beispiel einen Michael Ballack, von dem man sportlich mehr erwarten darf und der sicherlich auch mehr von sich erwartet hat. Er sollte überlegen, ob er sich immer im Sinne des Vereins verhält. Rudi Völler und ich haben in dieser Woche auch darüber mit ihm gesprochen – leider erfolglos.

Wie bewerten Sie eigentlich nach anderthalb Jahren das Projekt Ballack?

Es ist der Zeitpunkt erreicht, wo wir uns alle eingestehen müssen, dass unsere Überlegungen, die wir vor 20 Monaten hatten, nicht aufgegangen sind.

Sie und Rudi Völler haben sich zuletzt um einen würdigen Abschied von Ballack aus der Nationalmannschaft eingesetzt. Bei Ballack kam das nicht gut an, er sah das als einen Alleingang ( „persönliche Sache“) von Ihnen und Völler an.

Das war keine Privatsache von mir! Das war eine Initiative, um Michael zu einem würdigen Abschied beim DFB zu verhelfen, den er aufgrund seiner Verdienste verdient hat. Schon vor einiger Zeit habe ich mich deshalb mit Theo Zwanziger zweimal getroffen, und ich habe auch mit Wolfgang Niersbach darüber gesprochen. Auch wenn es terminlich schwierig geworden wäre, hätten wir gerne für Michael ein Abschiedsspiel in Leverkusen zwischen Bayer und der A-Nationalelf hinbekommen. Aber wenn es nicht gewollt ist, dann lassen wir das.

Bayer nimmt Ballack unter Feuer. Und man fragt sich: Wie lange geht das noch gut?

Für Kopfschütteln bei Wolfgang Holzhäuser und Rudi Völler sorgte der Umstand, dass Ballack die Bemühungen des Klubchefs und des Sportdirektors um sein Abschiedsspiel aus der Nationalelf im Trainingslager torpedierte. Sauer stieß den Bossen zudem auf, wie sich Ballack beim Mainz-Spiel nach seiner Auswechslung verhielt – während der seine Unschuld beteuerte („Ich kann dem Trainer nicht die Hand geben, wenn er nicht an der Außenlinie steht.“)

Ballack vermisst die Rückendeckung der Bosse – und erst recht von „Freund“ Völler, der dem Star erst die Rückkehr nach Leverkusen schmackhaft gemacht hatte. Als Völler nach dem Mainz-Spiel zur Causa Ballack entgegnete, er „hätte ihn schon zur Halbzeit rausgenommen“, empfand Ballack das als Affront. Denn es schien, als wolle der Ex-Bundestrainer seinen angeschlagenen Trainer schützen – auf Kosten des Superstars.

Dass Holzhäuser nun vor den so wichtigen Duellen im Champions-League-Achtelfinale gegen Barcelona den Stab über das „Projekt Ballack“ bricht, könnte den großen Knall auslösen. Und so bleibt die Frage, ob man sich jetzt noch bis Mai quält – oder ob man lieber ein Ende mit Schrecken in Kauf nimmt. Red Bull New York startet am 11. März in die MLS-Saison. Sie suchen einen Star fürs Mittelfeld...

Dem Bayer-Mittelfeld in Bremen gehört Ballack nicht an. Da vertraut Dutt lieber Bender, (wieder) Rolfes, Reinartz und Schürrle, während Castro nach hinten rückt und Derdiyok mit Kießling stürmt.

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