Empfehlen | Drucken | Kontakt22.07.2009 - 00:00 Uhr

Deutliche Worte: Heynckes : „Mein Team ist mir zu harmonisch!“

Von HERBERT BUCCO und LARS WERNER
Jupp Heynckes legt den Finger in die Bayer-Wunde.
Jupp Heynckes legt den Finger in die Bayer-Wunde.
Foto: Getty

Winden - Mal hart, mal herzlich. Jupp Heynckes (64) scheint in den ersten Wochen in Leverkusen bei den Spielern den richtigen Ton zu finden.

Dies sagen jedenfalls die Profis unisono. Der neue Bayer-Trainer muss dafür sorgen, dass die zweifelsohne talentierte Truppe nicht nur attraktiv spielt, sondern endlich auch die entsprechenden Resultate erzielt.

Schon in acht Tagen steht beim DFB-Pokal-Auftritt in Babelsberg das erste Pflichtspiel an. Zeit für EXPRESS, mit Heynckes zu sprechen über…

…das Gesicht seiner Mannschaft:
„Die Spieler ziehen gut mit, insgesamt sind wir auf einem guten Weg. Die Jungs sind willig, charakterlich einwandfrei und haben viel Potenzial. Sie müssen aber lernen, ökonomischer zu spielen. Wir arbeiten zudem viel im psychologischen Bereich.

Denn die Mannschaft muss auch lernen, dass sie Niederlagen nicht akzeptiert. Man sollte den Gegner respektieren, aber eine Niederlage nie einfach so hinnehmen. Die Mannschaft muss auch mal in der Lage sein, Spiele umbiegen zu können. Dazu bedarf es mehr an Kommunikation und Eigenverantwortung.

Aus der Mannschaft muss mehr Leben kommen, sie muss gewisse Dinge intern regeln können. Mir ist die Mannschaft untereinander noch zu harmonisch. Deshalb lege ich da bewusst den Finger in die Wunde.“

…den Ausfall von Torjäger Patrick Helmes:
„Patrick kann man kaum eins zu eins ersetzen. Doch in Eren Derdiyok haben wir einen Neuzugang, der alle Voraussetzungen mitbringt, die ein guter Torjäger braucht. Rückkehrer Fanis Gekas macht einen sehr guten Eindruck. Er legt viele Sonderschichten ein, das imponiert mir.

Mir wird berichtet, dass er sich auch ganz anders in der Gruppe verhält als noch in der Hinrunde der Vorsaison. Fanis hat bei Bochum über 20 Tore in einer Saison erzielt. Warum sollte er das nicht wiederholen? Er könnte zur positiven Überraschung werden.“

…über die Transferpolitik:
„Gut, wir haben uns im Vergleich zur Konkurrenz etwas zurückgehalten. Aber ich halte die Transfer-Philosophie von Bayer, vor allem mit Talenten etwas erreichen zu wollen, für richtig.

Wenn man dann weiter nach oben will, gilt es im nächsten Jahr Eckpfeiler dazuzukaufen und die Führungsspieler zu halten. Bei Vertragsverlängerungen muss man bei diesen Spielern auch bereit sein, die Schatulle aufzumachen. Da kommt insgesamt noch viel Arbeit auf uns zu.“

…über den Kaufrausch seines Ex-Klubs Real Madrid:
„Reals Präsident Florentino Perez hat diese Strategie auch schon 2001 mit Erfolg verfolgt. Sie muss man mit der Rivalität zwischen Real und Barca erklären. Barcelona hat Real dominiert und war weltklasse. Das tat der Seele von Real weh. Gut, es wird jetzt einen Zweikampf um die Meisterschaft geben. Ich glaube aber nicht, dass Real die Perfektion von Barca erreicht.

Im Sinne des Sports sind natürlich solche Rekord-Ablösesummen ungesund und für die Allgemeinheit nicht mehr zu verstehen. Aber ich kenne auch den Präsidenten. Er ist ein seriöser Mann und weiß, was er tut.“

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