Bayer 04 Leverkusen
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Empfehlen | Drucken | Kontakt 10.01.2013 - 15:12 Uhr

Bayer-Keeper Leno im Interview: Welche Macke haben Sie?

Von THOMAS GASSMANN
Reporter Thomas Gassmann im Gespräch mit Bayer-Torwart Bernd Leno.
Reporter Thomas Gassmann im Gespräch mit Bayer-Torwart Bernd Leno.
Foto: KSmedianet
Lagos –  

Torwart. Das sind doch immer diese verrückten Kerle. So wie Oliver Kahn, der versuchte, seine Gegenspieler zu beißen. Bernd Leno (20) ist aber so ganz anders.

Bayers Nummer eins wirkt trotz seiner Jugend unfassbar abgeklärt. Im Gespräch spricht er über die Einsamkeit im Tor und warum seine Eltern auf sein Geld aufpassen.

Herr Leno, welche Macke haben Sie?

Was meinen Sie?

Jeder Torwart hat doch eine Macke. Beißen Sie wie Oliver Kahn Ihre Gegenspieler ins Ohr?

Leno lacht: Äußerlich wirke ich ruhig. Wenn aber etwas im Spiel danebengeht, koche ich innerlich.

Fliegen da auch mal Ihre Handschuhe durch die Kabine?

Nein. Das ist einfach nicht mein Stil.

Ist man als Torhüter einsam?

Ja, so kann man das sagen. Man ist ein Stück weit einsam. Man ist Einzelkämpfer. Oft arbeitet man alleine mit dem Torwarttrainer. Und wenn man einen Fehler macht, ist man schnell der Idiot. Aber diese Rolle ist auch eine Herausforderung. Trotzdem ist man auch ein wichtiger Teil der Mannschaft.

Wie bereiten Sie sich als Einzelkämpfer auf ein Spiel vor?

Nach dem Aufwärmen setze ich mich in die Kabine, schließe die Augen und fahre mal zwei Minuten alles herunter. Dann nehme ich niemanden mehr wahr. Ich bin in meiner eigenen Welt.

Torwart wird man nur, wenn man auf dem Feld der Schlechteste ist. Bei Ihnen muss das anders gewesen sein, weil Sie fußballerisch große Klasse haben.

Mir hat es als kleiner Junge gefallen, Torwarthandschuhe zu haben. Als ich dann das erste Mal im Kasten stand, wollte ich da nicht mehr raus. Außerdem laufe ich nicht gerne.

Sie sind gerade 20 Jahre alt, Sie verdienen bereits unglaublich viel Geld. Was passiert damit?

Darüber rede ich nicht gerne. Aber ich kann sagen: Meine Eltern verwalten das, die passen darauf auf. Außerdem: Ich brauche keinen Luxus. Ich habe eine schöne Wohnung, ich war gerade im Urlaub. Das war es.

Es gibt junge Spieler, die drehen durch …

Ich denke, da besteht bei mir keine Gefahr. Ich bin bodenständig. Meine Eltern kamen 1989 aus Weißrussland nach Deutschland. Sie sind mit nichts gekommen. Jetzt haben Sie ein eigenes Haus. Das haben Sie sich mit harter Arbeit aufgebaut. Sie sind Vorbilder für mich. Deshalb weiß ich, was es bedeutet, wenig Geld zu haben. Früher wollte ich immer eine Playstation haben. Die habe ich von meinen Eltern nie bekommen.

Und jetzt?

Habe ich mir eine gekauft.

Für Ihr Alter wirken Sie bereits extrem cool. Ihre Paraden wirken nicht so spektakulär wie die mancher Ihrer Kollegen. Ist das ein Grund dafür, dass Sie bislang noch nicht für die Nationalmannschaft berufen wurden?

Ich bin kein Showmacher. Das ist einfach nicht meine Art. Für mich zählt das effektive Spiel. Ich brauche nicht durch den Strafraum zu hüpfen. Für mich zählt, dass ich den Ball halte.

Ihr Sportchef, Rudi Völler, sagt: Nach Manuel Neuer seien Sie die Nummer zwei in Deutschland. Ist das auch Ihr Ziel?

Ich bin 20 Jahre alt. Ich nehme mir die Zeit, die ich brauche. Die Konkurrenz in Deutschland ist riesengroß. Auf Dauer ist die Nationalmannschaft natürlich mein Ziel.

Mal Hand aufs Herz: Warum brodelt es zwischen Ihnen und Gladbachs Keeper Marc ter Stegen?

Das kommt aus der Jugend. Da war das Verhältnis ein bisschen angespannt. Wir waren ja Konkurrenten bei den Auswahlmannschaften. Da ist es auch nicht ungewöhnlich, dass man nicht zu besten Freunden wird und zusammen ans Meer geht, um abzuchillen. Aber auf dem Feld respektieren wir uns.

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