Empfehlen | Drucken | Kontakt22.01.2012 - 21:34 Uhr

3:2-Erfolg: Trotz Sieg: Pfiffe statt Applaus

Von LARS WERNER
Ballack freut sich über das Eigentor der Mainzer.
Ballack freut sich über das Eigentor der Mainzer.
Foto: dapd
Leverkusen –  

Hätte das Ergebnis nicht schriftlich auf der Videowand gestanden, müsste man aufgrund der Geräuschkulisse beim Abpfiff von einer Bayer-Niederlage ausgehen.

Spiel-Ende in Leverkusen - und die Fans pfeifen das eigene Team aus! Dabei hatte die Werkself gerade mit 3:2 gegen Mainz gewonnen. Doch die Gesamtstimmung bei Bayer ist trotzdem ziemlich mies.

Die Zuschauer (gestern waren nur 24365 da) sind einfach unzufrieden mit der Art und Weise, wie die Mannschaft unter Trainer Robin Dutt spielt. Zwar hatte sich der Coach unter der Woche mit zwei großen Fangruppierungen getroffen (EXPRESS berichtete), doch genutzt hatte der Austausch offenbar nicht viel.

Und auch in der Mannschaft rumort es offenbar. Michael Ballack zum Beispiel war wegen seiner Auswechslung not amused (siehe Bericht). Kapitän Simon Rolfes war gestern sogar fast 80 Minuten Bankdrücker, Stefan Kießling eine Stunde lang Zuschauer.

Dass drei vermeintliche Leitwölfe, aber auf jeden Fall Meinungsführer, nicht gerade zufrieden sind, trägt nicht zu einer besseren Gesamtstimmung bei.

Auf der anderen Seite kann man die Reaktion der Zuschauer aber auch etwas verstehen. Die Spielfreude, den schönen Fußball, für den Bayer eigentlich steht, sieht man in dieser Saison gar nicht.

Und es war gestern schon abenteuerlich, wie die Gastgeber einen 2:0-Vorsprung ohne Gegenwehr aus der Hand gaben. Innerhalb von drei Minuten glichen die Gäste aus, die zuvor erschreckend schwach gespielt und höchstens Zweitliga-Niveau geboten hatten.

Dass Bayer doch noch die drei Punkte holte, lag insbesondere an Lars Bender. Nach Ecke von Michal Kadlec schraubte sich der 22-Jährige hoch und wuchtete den Ball per Kopf in die Maschen.

Bender wird immer mehr zum Chef und Anführer der Truppe. „Das war ein sehr schönes Tor von Lars. Er hat eine starke Leistung gezeigt - mal wieder“, lobte Dutt den Nationalspieler, der in dieser Form auf jeden Fall zur EM fährt.

Richtig glücklich wirkte der Coach aber nicht. Auf die Fans angesprochen, entgegnete Dutt: „Die Reaktion der Zuschauer hier ist neu für mich. Man sagt mir aber, dass das seit Jahren so hier ist. Aber natürlich wissen wir auch selbst, dass wir keine gute Hinrunde gespielt haben.“

Und dann flüchtete sich Dutt in schwarzen Humor: „Wir arbeiten an der Serie von zehn 3:0- oder 4:0-Siegen. Schaffen wir das, gibt es dann auch für uns Applaus.“

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