Die finalen Klausuren stehen vor der Tür, bevor der Schulabschluss endlich in der Tasche ist. Der Moment, in dem Jugendlichen die ganze Welt offen steht, ist nah. Viele empfinden die Freiheit, die sich ihnen offenbart, jedoch eher als Belastung denn als Gewinn. Schließlich steht mitten im Prüfungsstress eine der schwierigsten Entscheidungen an: Die Wahl des Berufs.
Jetzt bewerben
Allzu große Sorge ist jedoch kontraproduktiv – und unbegründet. Denn zum einen ist die berufliche Erstwahl heutzutage selten auch die endgültige; Umschulungen, Neuorientierungen oder Wechsel in branchenfremde Unternehmen sind an der Tagesordnung. Und: Jugendliche können Hilfe von vielen Seiten in Anspruch nehmen, um sich zu entscheiden. Wichtig ist nur, sich bereits jetzt für eine Ausbildung oder ein Praktikum zu bewerben: „Es ist höchste Eisenbahn“, sagt Christopher Meier, Geschäftsführer operativ der Agentur für Arbeit Köln, „bis zu den Osterferien sollten angehende Azubis nicht mehr warten.“ Derzeit sei die Situation auf dem Ausbildungs-Markt etwa die gleiche wie im Vorjahr. In den Bereichen Hotellerie, Rechtsanwälte, Arztpraxen und im IT-Bereich gebe es vergleichsweise mehr Stellen, in Industrie und Bankensektor weniger. Zu den begehrtesten Berufen zählen – wie in jedem Jahr – medizinische Fachangestellte, Friseur, Industriekaufmann, Einzelhandelskaufmann, Koch und Kfz Mechatroniker. Meier rät dazu, auch abseits dieser Branchen nach Ausbildungsberufen zu suchen: „In den beliebtesten Berufen tummeln sich fast die Hälfte aller Bewerber. Die Chancen, einen Ausbildungsplatz in anderen Bereichen zu finden, die häufig übersehen werden, ist viel höher.“ Dazu gehöre beispielsweise der Hörgeräteakustiker – „ein spannender, hochtechnischer Beruf mit guten Zukunftsperspektiven“, sagt Meier. Weitere Jobs mit guten Ausbildungschancen werden in den Infokästen rechts vorgestellt. In Deutschland gebe es etwa 350 Ausbildungsberufe.
Starthilfe Praktikum
Vor der Bewerbung gilt es zunächst herauszufinden, welche Interessen und Fähigkeiten vorhanden sind. „Die Bundesagentur für Arbeit bietet eine Reihe von Hilfestellungen“, sagt Meier, „zum Beispiel Berufsorientierungs- Tests“. Mit ihnen können Jugendliche ihre Stärken herausarbeiten: „Wir versuchen, die negative Denkweise – ‚was kann ich alles nicht?‘ – umzukehren in‚ worin bin ich gut?‘”, erklärt Meier. Bereits im Vorhinein können sich Jugendliche Gedanken darüber machen, ob sie im späteren Berufsleben beispielsweise Kontakt mit Menschen haben möchten oder lieber in Ruhe an naturwissenschaftlichen oder mechanischen Problemen herumtüfteln. Auch im Internet finden sich verschiedene Seiten, die entsprechende Tests anbieten. Meier warnt jedoch davor, sich allzu sehr auf diese Orientierungshilfen zu verlassen. „Ich kann nur mit Nachdruck Praktika empfehlen“, sagt der Experte. Denn nur die vermitteln einen Eindruck von der Realität des Berufsalltags. „Außerdem gewinnt der Chef einen Eindruck von den Stärken des Praktikanten – abseits der Schulnoten“, erklärt Meier.
Lehrstelle per App finden
Für die richtige Bewerbung leistet die Agentur für Arbeit in Form von persönlichen Beratungen ebenfalls Hilfestellung. Zusätzlich bieten jedoch auch Handwerkskammer sowie Industrie- und Handelskammer – beide mit Hauptsitz in Köln – Informationen zur Berufswahl und Lehrstellensuche, beispielsweise in Form von Lehrstellenbörsen. Für Smartphone-Nutzer gibt es auf der Homepage der Handwerkskammer außerdem eine kostenlose App, den sogenannten Lehrstellen-Radar. Damit kann der Nutzer erfahren, in welchem Umkreis zu seinem aktuellen Standort freie Ausbildungs- oder Praktikumsplätze in den gewünschten Berufen zur Verfügung stehen. Außerdem informiert die App automatisch per „Push-Nachricht“, wenn ein freier Ausbildungsplätze im jeweiligen Wunschberuf vorhanden ist. Die App für die Lehrstellenbörse der Handwerkskammer kann kostenlos im App-Store oder im Android-Market heruntergeladen werden.
Augenoptiker
Augenoptiker stellen Sehhilfen her und passen sie ihren Kunden individuell an. Darüber hinaus beraten sie Kunden, verkaufen Brillen, Kontaktlinsen und optische Geräte, reparieren Sehhilfen und erledigen auch kaufmännische Arbeiten. Augenoptiker arbeiten hauptsächlich in Betrieben des Augenoptiker-Handwerks. Jedoch sind ebenfalls Beschäftigungen in der optischen und feinmechanischen Industrie möglich. Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre.
Hörgeräteakustiker
Hörgeräteakustiker passen Hörsysteme an die individuellen Bedürfnisse ihrer Kunden an. Sie führen Hörtests durch, stellen Otoplastiken her und reparieren Hörhilfen. Hörgeräteakustiker arbeiten hauptsächlich in Betrieben des Hörgeräteakustiker-Handwerks sowie bei industriellen Herstellern von Hörgeräten. Die bundesweit geregelte Ausbildung dauert drei Jahre und wird im Handwerk angeboten.
Bäcker
Auch, wenn immer mehr Kleinbetriebe des Bäckereihandwerks größeren Handelsketten weichen, ist die Chance, einen Ausbildungsplatz zu bekommen, hoch. Bäcker stellen Brot, Kleingebäck, Feinbackwaren, Torten und Desserts sowie Backwarensnacks her. Sie arbeiten sowohl im Nahrungsmittelhandwerk als auch in der Nahrungsmittelindustrie, zum Beispiel in Großbäckereien. Beschäftigung finden sie darüber hinaus in Spezial- und Diät-Bäckereien sowie in der Gastronomie und im Catering- Bereich. Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre.
Orthopädiemechaniker
Orthopädiemechaniker und Bandagisten fertigen orthopädietechnische Hilfsmittel an, beispielsweise maßgenau passende künstliche Gliedmaßen und Bandagen, aber auch Rollstühle. Orthopädiemechaniker arbeiten hauptsächlich für Hersteller orthopädietechnischer oder medizinischer Hilfsmittel. Darüber hinaus können sie in Einzelhandelsfachgeschäften wie etwa Sanitätshäusern tätig sein. Beschäftigungsmöglichkeiten bieten sich auch bei Krankenversicherungen. Die Ausbildung dauert im Normalfall dreieinhalb Jahre.
Auf Tim Mälzers Spuren
Unbequeme Arbeitszeiten und häufig ein rauer Umgangston: Der Beruf des Kochs hat seine Schattenseiten. Trotzdem sagen viele, dass sie sich keinen schöneren Job vorstellen können.
Guter Schulabschluss ist notwendig
Selten schienen für junge Menschen die Aussichten am Ausbildungsmarkt so gut zu sein. Viele Betriebe suchen nach Nachwuchs. Doch die Lehrstellensuche ist auch 2013 kein Selbstläufer.
Kündigung braucht klaren Termin
Die Kündigung eines Arbeitsverhältnisses muss schriftlich und eindeutig sein. Insbesondere muss klar sein, wann das Arbeitsverhältnis enden soll. Weitere Infos rund um das Thema hier.