Empfehlen | Drucken | Kontakt 19.02.2013 - 15:05 Uhr

Nachwuchsbedarf: Schuhmacher auf der Suche

Von Sabine Maurer
Ein Schuhmacher muss minutiös arbeiten.
Ein Schuhmacher muss minutiös arbeiten.
Foto: dpa

Die Zahl der Schuhmachereien sinkt rapide. In Frankfurt hält sich die Schuhmacherei Lenz seit über 70 Jahren wacker. Dort gehen die Geschäfte wieder ganz gut, es mangelt jedoch an Nachwuchs.

Caroline Fuchs hadert mit ihrem rechten Fuß. „Da tut mir die Gehfalte der Schuhe immer weh“, klagt die 42-jährige Frankfurterin dem Schuhmacher Jürgen Dohn. Ihm gehört die Schuhmacherei Lenz - ein Traditionsbetrieb mitten im Frankfurter Bahnhofsviertel. Seit 1941 werden dort Maßschuhe hergestellt, sie ist damit nach eigenen Angaben die älteste Schuhmacherei Frankfurts.

Die Geschäfte mit den teuren Schuhen, die mindestens 1200 Euro kosten, gehen wieder ganz gut. „Wir fertigen jedes Jahr zwischen 15 und 20 Paare an“, erzählt Dohn. Im Schnitt müssen seine Kunden sechs bis neun Monate auf ihre neuen Schuhe warten. Denn der Schuhmacherei mit ihren drei Meistern, vier Gesellen und drei Auszubildenden fehlt es an Personal. „Händeringend“ sei er auf der Suche, berichtet Dohn.

Der Geschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Schuhmacher-Handwerks in St. Augustin in Nordrhein-Westfalen, Peter Schulz, kennt das Problem. „Schuhmacherei ist kein Modeberuf. Es ist schwierig, Nachwuchs zu finden“, sagt er.
Nach Auskunft des Zentralverbands des Deutschen Handwerks in Berlin waren es im Jahr 2011 nur 15 Auszubildende in Hessen, die Zahl ist seit zehn Jahren ungefähr gleich. Bundesweit lernten 2011 noch nicht mal 100 junge Menschen diesen Beruf. Mit der Zahl der Schuhmachereien geht es seit Jahren in Deutschland rapide abwärts. Mittlerweile gibt es in Hessen noch rund 200 Betriebe, vor zehn Jahren waren es noch über 100 mehr. Dabei profitieren die Schuhmachereien mittlerweile vom Trend, entweder günstig oder teuer einzukaufen. So sieht Schulz vom Zentralverband in der Bevölkerung in Deutschland wieder eine „Neigung zum Maßschuh“.

Auch in der Frankfurter Schuhmacherei Lenz ist die Auftragslage seit etwa zehn Jahren wieder besser, allerdings bei weitem nicht so gut wie in der Blütezeit in den 1960er Jahren. Damals arbeiteten in dem Geschäft in der Münchener Straße bis zu 60 Angestellte, im Zuge der Industrialisierung sank dann die Nachfrage. Für viel Beschäftigung sorgten damals auch Prostituierte, die im berühmt-berüchtigten Bahnhofsviertel auf- und abstöckelten und sich ihre Absätze bei der Firma Lenz reparieren ließen.
Heute gehören vor allem Männer jenseits der 30 zu den Kunden, sie gönnen sich den Luxus von maßgefertigten Schuhen. Die meisten entscheiden sich für schwarze Halbschuhe. Viele wenden sich wie die 42-jährige Kundin Fuchs schon fast hilfesuchend an den Schuhmacher. Sie finden keine passenden Schuhe, haben Schmerzen oder sind „Schuhmörder“ - laufen also alle Schuhe in kürzester Zeit kaputt.

„Wir machen hier keine orthopädischen Schuhe, sondern arbeiten für gesunde Menschen“, betont Wolfgang Lenz, der frühere Inhaber. Maßschuhe sollen eine erstaunliche Wirkung haben. Da die Schuhe an den Fuß angepasst werden, soll es den Trägern im wahrsten Sinne des Wortes viel bessergehen als in Schuhen aus der Konfektion. Etwa 40 Stunden Arbeit stecken in jedem der teuren Paare. „Für mich ist das viel Geld“, sagt die Kundin Fuchs. „Aber ich habe mir die letzten sechs Jahre keine Schuhe gekauft, weil nichts gepasst hat. Da habe ich ja gespart.“

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